Antimilitaristisches Camp 2011 im Rückblick

Es ist fast schon Tradition: Bereits zum zweiten Mal in Folge fand vor der Husumer Fliegerhorst-Kaserne ein Protestcamp statt. Auf dem breiten Grünstreifen zwischen Flensburger Chaussee und dem Zaun des militärischen Bereiches stand über Pfingsten eine bunte Zeltstadt.

...gesehen in der Husumer Innenstadt an einem Schaufenster…zeitgleich zum Camp gesehen an einem Schaufenster in der Husumer Innenstadt

Zwischen den Zelten und Bäumen hingen für die Rad- und AutofahrerInnen gut sichtbare Banner, die Kritik an Auslandseinsötzen, Militär und Krieg formulieren. „Sicherheit geht GANZ anders!“ war Motto der Veranstaltung. „Der Slogan soll deutlich machen, dass zu „Sicherheit“ noch viel mehr gehört, als die bloße Abwesenheit von Krieg.“ Und genau dies sei nicht durch militärischen Interventionen zu ereichen. Im Gegenteil: Eine Sicherheitspolitik, die in erster Linie auf Militär setzt, schaffe erst viele Übel, die sie vorgibt, zu bekämpfen. Zudem sei eines in den verteidigungspolitischen Richtlinien festgelegten Ziele der deutschen Militärpolitik der „Schutz des freien Welthandels als Grundlage unseres Wohlstandes“. „Freier Welthandel ist ein anders Wort für Ausbeutung!“ sagt dazu ein Aktivist. Gerade durch das, was mit dem Schlagwort „freier Welthandel“ beschrieben würde, entstünden die massiven Ungerechtigkeiten bei der Wohlstandsverteilung in der Welt. „Und das ist eine der Hauptquellen der Unsicherheit in der Welt.“ Und genau diese Unsicherheitquelle „freier Welthandel“ schütze die Bundeswehr, um angeblich Sicherheit zu schaffen. „Nur ein Abbau der Ungerechtigkeiten in der Welt und in den einzelnen Ländern wird zu einer dauerhaften Perspektive für viele Menschen führen!“ schlussfolgert einer der Beteiligten.

Laut dem sh:z nahm der Standortkommodore Thilo Maedler, selber gerade erst aus Afghanistan zurück gekehrt, den Protest gelassen hin: „“Natürlich respektieren wir, dass die Teilnehmer dieser Veranstaltung ihre kritische Sicht der Einsätze der Bundeswehr im Rahmen demokratischer Spielregeln artikulieren.“ – Was soll er auch anderes machen: „Bloß nicht hochkochen!“ erscheint als eine durchaus clevere Strategie in einer Stadt, in der die Eliten aus Politik, Wirtschaft und Militär ansonsten keine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig selbst zu vergewissern, wie „sehr die Militärs in der Region verankert“ seien. „Diesen von Oben angestrengten diskursiven Konsens bedrohen wir allein schon dadurch, dass wir hier direkt von Kasernentor eine GANZ andere Sicherheitspolitik einfordern“ erklärt Jan Hansen, ein Mitorganisator und vielfältig politisch aktiver Student aus Berlin, der in Nordfriesland aufgewachsen ist.

Auf die Frage, warum er dann nicht in Berlin demonstriert habe, wo die Auslandseinsätze entschieden würden, sondern in Husum, erklärt Hansen: „Die Militärs hier sind ganz entscheidend an allen Auslandseinsätzen beteiligt.“ Die Soldaten aus der Fliegerhortkaserne seien regelmäßig für Luftabwehr und als Sicherungszug an deutschen Kasernen im Ausland eingesetzt. Außerdem würden diese Militärs ab Sommer erneut einen Teil der NATO-Response-Force stellen, einer Angriffsarmee u.a. für die „Offenhaltung des Zuganges zu Märkten und Rohstoffen“. Die Militärs aus der zweiten Kaserne, die Spezialpioniere, seien zudem sehr wichtig für die gesammte Logistik der Bundeswehr im Ausland, da sie die Kasernen bauen und unterhalten würden: „Die Landebahn in Masir-a-Sharif wurde von den Husumern planiert“. Außerdem seien Soldaten aus Husum ab Sommer für die Treibstoffversorgung der NATO über Termez (Usbekestan) nach Afghanistan zuständig. „Ohne die Militärs aus Husum hätten die westlichen Militärs in Afghanistan wahrscheinlich ziemlich schnell Treibstoffprobleme“ mutmaßte Hansen. Allerdings habe die Pionierkaserne keine Grünfläche vor der Tür, und so bleibt den Soldaten dort bis auf weiteres ein Protestcamp erspart.

Das in der Bevölkerung durchaus ein Interesse an unabhängigen Informationen über das Treiben der lokalen Militärs im Ausland besteht, zeigte das Interesse an den vielfältigen Veranstaltung. Menschen aus allen Altersstufen hatten sich z.B. bereits am ersten Abend eingefunden, um den Vortrag „Von Husum in alle Welt“ zu hören. Ein lokaler Antimilitarist erläuterte, was es mit den Auslandseinsätzen auf sich hat, formulierte seine Kritik daran, und informierte, wo und wie die norddeutschen Militärs daran beteiligt sind. Das Ergebnis erschreckt einige: „Die sind ja wirklich überall!“ sagt eine ZuhörerIn nach der Veranstaltung. „Mich wundert es nicht, dass es ein Interesse an unabhängigen Informationen zum Thema gibt“, sagt Hansen. Die Lokalzeitung würde oft als verlängerter Arm der Militär-PR agieren, und lediglich „technisch-materialistisch“ über das Treiben der Militärs berichten. „Die politischen Dimensionen der Einsätze werden regelmäßig ausgeblendet!“ befindet Hansen.

Auch die weiteren Veranstaltungen waren gut besucht und es kam zu regem Austausch und vielen Debatten. Das Camp wurde von den Teilnehmenden als Erfolg bewertet und die ersten Überlegungen 2012 wieder zu kommen wurden schon geäußert.

Hier finden sich ein paar Impressionen vom Camp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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