Ende der Knastpat_innen-Kampagne

Weiterhin breite Solidarisierung mit inhaftierter Antimilitaristin

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Die Antimilitaristin Hanna Poddig sitzt seit dem 15. März in der JVA Frankfurt III eine Ersatzfreiheitsstrafe ab. In letzter Instanz wurde sie für die mehrstündige Blockade eines Militärtransportes im Februar 2008 zu 90 Tagessätzen verurteilt.
90 Personen und Initiativen haben jeweils einen von Hannas Tagessätzen solidarisch übernommen und zeigen damit, dass sie derartige Aktionen für legitim und notwendig erachten.

Hanna blockierte im Februar 2008 einen Transport von Kriegsmaterial für die Nato Response Force, die weiterhin weltweit im Einsatz ist, und wurde dafür zu einer Strafe von 90 Tagessätzen zu 15 Euro verurteilt. „Meine Verurteilung zeigt deutlich, dass die Gerichte die kriegerischen Handlungen der Bundeswehr und damit der BRD schützen. Um deutlich zu machen, dass der Staat auf unliebsamen Widerstand mit Repression antwortet, habe ich mich dazu entschlossen, mindestens einen Teil der Strafe im Gefängnis abzusitzen“, erklärte Hanna, bevor sie ins Gefängnis ging.
Seit dem Haftantritt wurde für die Übernahme von „Knastpatenschaften“ geworben. „Wir suchen also Menschen und Organisationen, die einen Tagessatz in Höhe von 15 € übernehmen und Hanna damit die Möglichkeit geben, sich freizukaufen oder alternativ, falls sie sich entscheidet, länger im Knast zu bleiben, das Geld für Anwaltskosten und zukünftige Aktionen verwenden zu können“, so Christof Neubauer, einer der Unterstützer. „Die Liste der Knastpat_innen – darunter viele Initiativen, namhafte Künstler_innen, und viele Privatpersonen – spricht für sich: Kriegsbeteiligung in Form von Waffenlieferungen, logistischer Unterstützung und Auslandseinsätzen ist nicht hinnehmbar. Widerstand dagegen ist legitim und notwendig. Ein System, das diesen Widerstand wegsperrt, gehört genauso in den Fokus der Kritik.“ Viele der Knastpat_innen haben mit einem kurzen Kommentar zusätzlich begründet, warum sie einen Tagessatz übernommen haben – die Beweggründe sind entsprechend vielfältig. Die Liste samt Kommentaren ist im Anhang zu finden.

Krieg fängt sehr viel früher an, als mit dem Starten der Bomber oder dem Heben der Gewehre. Gerade in Deutschland profitieren viele Menschen von Krieg in anderen Teilen der Welt. So konnte Deutschland als der weltweit drittgrößte Waffenexporteur seit 2007 seine Rüstungsexporte um 37 Prozent steigern. Eine Unterstützerin meint dazu „Gerade für die deutsche Wirtschaft ist es wichtig, dass in anderen Ländern Kriege geführt werden, dass Aufstände blutig niedergeschlagen werden, um sich Profitinteressen und – wie mittlerweile auch offen zugegeben wird – ungehinderten Zugang zu den Rohstoffen der ganzen Welt zu sichern. Menschen, die sich antimilitaristisch einsetzen, sind da natürlich unbequem.“

Während die Nato mit deutscher Beteiligung im Atalanta-Einsatz Piraten auf dem Festland bekämpft und sich damit in einen Krieg auf dem Boden Afrikas verwickelt, der gezwungenermaßen Opfer fordern wird, werden hier Kritiker_innen weggesperrt. „Ich finde es wichtig, sich mit der Verfolgung von widerständigen Menschen zu solidarisieren, aber ebenso wichtig ist es, die emanzipatorische Grundforderung nicht zu vergessen: Freiheit für alle Gefangenen!“, so Christof. „Knast und Strafe dienen nicht den Menschen, sondern der Macht des Staates. Auch die verbreitete Logik bei der Aburteilung, dass Geständnisse und Reue die Strafe mildern, heißt umgekehrt, dass mit einer höheren Bestrafung rechnen muss, wer dem Gericht widerspricht und sich z.B. weiter für unschuldig hält. Damit werden systematisch Duckmäuser produziert. Rückgrat wird bestraft, Unterwerfung belohnt – eine Abrichtung wie bei Hunden.“

90 Menschen, Künstler_innen und Initiativen haben Flagge gezeigt und je einen von Hannas Tagessätzen übernommen. Die Liste ist einzusehen unter:
https://krieg.nirgendwo.info/kontakt_und_spenden/knastpatenschaft .

Wir wollen an dieser Stelle explizit darauf hinweisen, dass die meisten anderen Gefangenen leider nicht diese Unterstützung haben, und rufen dazu auf, auch anderen Gefangenen – z.B. durch Brieffreundschaften, klare Positionierungen und Aktionen gegen Knäste – zur Seite zu stehen.
Vom 7.–10. Juni wird es zudem ein Treffen geben, in dem eine Kampagne „Für eine Welt ohne Knast & Strafe“ ins Leben gerufen werden soll.

Weitere Informationen:
www.krieg.nirgendwo.info
krieg@nirgendwo.info
0174-7433522
www.welt-ohne-strafe.de.vu

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