Antimilitaristin seit heute in der JVA Frankfurt III

Ungewöhnliche Szenen vor dem Gefängnis

Am frühen Nachmittag des 15.März 2012 verabschiedeten Freund_innen und Sympathisant_innen Hanna Poddig, die ab dem heutigen Donnerstag eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt, mit Transparenten, Kreidesprüchen und Sprechchören. Die Antimilitaristin wurde für die Blockade eines Bundeswehrtransportzuges zu einer Strafe von 90 Tagessätzen verurteilt. Die damals 22-jährige kettete sich im Februar 2008 an die Gleise und brachte den Zug zum Stehen. „Es ist reine Propaganda, bei Einsätzen schwer bewaffneter Militärs von humanitären Einsätzen zu reden. Es geht dabei schlicht um den Ausbau von wirtschaftlichen Einflussgebieten“, erklärt sie. „Mir reicht es nicht, Schilder hochzuhalten. Angesichts des alltäglichen Kriegszustands und der stetigen Meldungen über weitere Todesopfer durch die Auslandseinsätze finde ich es naheliegend, auch in Zukunft Sand im Getriebe zu sein und mich dem Normalzustand in den Weg zu stellen.“

Da eine Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit nicht zur Entscheidung angenommen wurde, stand Hanna vor der Wahl, zu zahlen oder ersatzweise ins Gefängnis zu gehen. „Ich bin in der glücklichen Lage, ein solidarisches Umfeld zu haben und mich jederzeit freikaufen zu können. Dennoch will ich einem Staat, der weiterhin Angriffskriege in aller Welt führt, kein Geld geben.“, so die Aktivistin. „Meine Verurteilung zeigt deutlich, dass Gerichte die kriegerischen Handlungen der Bundeswehr und damit der BRD schützen. Um deutlich zu machen, dass der Staat auf unliebsamen Widerstand mit Repression antwortet und ich mich nicht beugen lasse, habe ich mich dazu entschlossen mindestens einen Teil der Strafe im Gefängnis abzusitzen.“

Es geht nämlich nicht nur um Kritik an Krieg und Militär. Der gesamte strafende Staat steht am Pranger. „Ein Blick in das Strafgesetzbuch, aber auch die Praxis von Justiz und Knast zeigen, dass eben jene nicht die Menschen schützen sollen, sondern die öffentliche Ordnung, Besitz- und Machtverhältnisse. Auch die verbreitete Logik bei der Aburteilung, dass Geständnisse und Reue die Strafe mildern, heißt umgekehrt, dass mit einer höheren Bestrafung rechnen muss, wer dem Gericht widerspricht und sich z.B. weiter für unschuldig hält. Damit werden systematisch Duckmäuser produziert. Rückgrat wird bestraft, Unterwerfung belohnt – eine Abrichtung wie bei Hunden.“, echauffiert sich ein junger Mann, der nach Frankfurt gekommen ist, um Hanna bei ihrem Gang hinter die Mauern zu begleiten.

Es ist kein Einzellfall, dass kritische Menschen vom Staat eingesperrt werden. Die Antiatomaktivistin Franziska wurde Ende letzten Jahres an gleicher Stelle ebenfalls wegen einer Ankettaktion für zweieinhalb Monate eingesperrt „Ich finde es wichtig, sich mit der Verfolgung von widerständigen Menschen zu solidarisieren, aber ebenso wichtig ist es, die Grundforderung nicht zu vergessen: Freiheit für alle Gefangenen!“, so eine Begleiterin Hannas. „Knast und Strafe dienen nicht den Menschen, sondern der Macht des Staates.“

Weitere Informationen:

krieg.nirgendwo.info
www.welt-ohne-strafe.de.vu

Die Fotos dürfen mit Quellenangabe verwendet werden

Kreide vor dem Knast 1

 

Kreide vor dem Knast 2

 

Sackgasse Strafe

 

An der Pforte

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Repression veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Antimilitaristin seit heute in der JVA Frankfurt III

  1. Bernhard sagt:

    Danke für deinen Einsatz! Habe gerade „Hauptsache Schweigen“ gelesen, wo es um die Judenverfolgung im 3. Reich in Frankfurt geht. Heute wirken die gleichen Versager und unterscheiden sich kein bisschen von den damaligen Mitläufer-Massen. Krieg ist die Hölle hat US-Kriegsminister Panetta gerade gesagt. Recht hat er und warum überzieht er alle mit Krieg? Soldaten sind Mörder, ob sie es wollen oder nicht.

  2. Günther Wassenaar sagt:

    Liebe Freunde,
    vor einiger Zeit stand ich in gleicher Situation. Als ich im August 2008 auf einer Montagsdemo in der Luthersadt Wittenberg erfuhr, dass am kommenden Tag ein Track der Bundeswehr auf dem Markt stehen werde, um neues Kanonenfutter zu sammeln, informierte ich die Versammelten, dass die Bundeswehr an massiven Kriegsverbrechen beteiligt ist und ich auf jeden Fall am kommenden Tag gegen die Anwesenheit der BW protestieren werde. Gleichzeitig sagte ich, dass ich es gut finden würde, wenn viele Wittenberger sich beteiligen würden. Wir haben mit 5 Personen protestiert, von der Polizei wurden die Personalien aufgenommen und dann erschien der Leiter des Ordnungsamtes Herr Lehmenn. Wir sollten die Versammlung sofort auflösen. Ich wies ihn darauf hin, dass wir uns auf die UN-Charta und gegen das Begehen von Kriegsverbrechen beziehen. Das interessierte ihn nicht und er autorisierte mich in Anwesenheit der Anderen, dass ich jederzeit sagen darf, dass er nichts gegen das Begehen von Kriegsverbrechen hat – also ein GUTER Mann für das Ordnungsamt. Mir wurde der Strafprozess gemacht und ich wurde wegen der Durchführung einer Eil- oder Blitzdemo, zu einer Geldstrafe verurtelt – ersatzweise 15 Tage Haft. Als die Staatsanwaltschaft mich aufforderte, die Strafe zu bezahlen, wies ich sie darauf hin, dass dieser Staat so wnig wie nur Möglich an Geld von mir bekommt, da er dieses für Kriege und Kriegsverbrechen verwendet – somit habe ich ebenso die Haftstrafe vorgezogen – ist mir doch bewußt, dass ein solcher Haftplatz diesen Staat zusätzlich Geld kostst
    Ich möchte meine Grüße an Hanna und alle anderen Mitkämpfer senden. Wer sich duckt – bekommt Prügel und nur wer aufrecht geht und Kämpft, hat die Möglichkeit auch zu gewinnen. – Solidarität

    Günther Wassenaar
    Alte Dorfstraße 35
    06886 Lutherstadt Wittenberg
    01627636376
    wassenaar@web.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.